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Technik & Architektur

Welches Claude-Modell für welchen Zweck — und was kostet es?

Welches Claude-Modell für welchen Zweck — und was kostet es?

Die Modelle und was sie kosten

Neu am 07.10.2026: Claude Haiku 5.5. 0,10 USD Eingabe, 0,50 USD Ausgabe, 0,01 USD Cache-Lesen, ein Zehntel von Haiku 4.5. Das gilt für Anfragen bis 100.000 Token, darüber kostet die ganze Anfrage das Fünffache (0,50 und 2,50 USD). Haiku 5.5 nutzt den neueren Tokenizer: Deutscher Text ergab in unserer Messung 33 bis 38 Prozent mehr Token als bei Haiku 4.5, war aber trotzdem 86 bis 87 Prozent billiger. In der EU läuft es auf AWS Bedrock mit EU-Profil und bei Google Cloud über den Endpunkt eu, nicht über die Claude-API direkt. Mit derselben Ankündigung hat Anthropic das Cache-Lesen bei Sonnet 5.5 auf 0,10 USD halbiert. Preise in Euro, die brechenden Änderungen und unser Angriffstest stehen im Beitrag Claude Haiku 5.5 im Unternehmen.

Neu am 28.09.2026: Claude Sonnet 5.5. 2 USD Eingabe, 10 USD Ausgabe, also derselbe Preis wie Sonnet 5. Cache-Lesen kostete zum Start 0,20 USD, seit dem 07.10.2026 0,10 USD. Laut Anthropic braucht es für dieselbe Arbeit weniger Token und kostet je Aufgabe bis zu 30 Prozent weniger, das ist eine Herstellerangabe. In unserem kleinen Test mit kurzen Büroaufgaben war es nicht billiger als Sonnet 5, weil es in der Voreinstellung mehr nachdenkt. In der EU läuft Sonnet 5.5 über Google Cloud (Mehrregion Europa). Auf AWS Bedrock gab es zum Start nur ein weltweites Profil, inzwischen auch das EU-Profil eu.anthropic.claude-sonnet-5-5 (nachgesehen am 08.10.2026). Einordnung, Preise in Euro und Test stehen im Beitrag Claude Sonnet 5.5 im Unternehmen.

Neu am 22.09.2026: Claude Opus 5.5. 4 USD Eingabe, 20 USD Ausgabe, 0,20 USD Cache-Lesen, laut Anthropic 20 Prozent unter Opus 5 und im Betrieb 40 Prozent günstiger. Was das in Euro heißt und wo Opus 5.5 in der EU läuft (nicht über die Claude-API direkt, sondern über AWS Bedrock oder Google Cloud), steht im Beitrag Opus 5.5 und GPT-6 Sol/Luna: Preise und EU-Betrieb. Alle Preise in der Tabelle sind am 08.10.2026 an der Preisliste von Anthropic nachgesehen.

Alle Preise sind API-Listenpreise pro Million Token, Stand 08.10.2026, direkt aus der Anbieterdokumentation. Preise ändern sich — das Datum steht bewusst dabei.

Modell Eingabe Ausgabe Cache-Lesen
Claude Fable 5.1 10 USD 50 USD 0,25 USD
Claude Fable 5 10 USD 50 USD 1 USD
Claude Opus 5.5 (22.09.2026) 4 USD 20 USD 0,20 USD
Claude Opus 5 5 USD 25 USD 0,50 USD
Claude Sonnet 5.5 (28.09.2026) 2 USD 10 USD 0,10 USD (seit 07.10.2026)
Claude Sonnet 5 2 USD 10 USD 0,20 USD
Claude Haiku 5.5 (07.10.2026), Anfrage bis 100.000 Token 0,10 USD 0,50 USD 0,01 USD
Claude Haiku 5.5, Anfrage über 100.000 Token 0,50 USD 2,50 USD 0,05 USD
Claude Haiku 4.5 1 USD 5 USD 0,10 USD

Eine Sache, die im August 2026 für Planungssicherheit sorgt: Der Einführungspreis von Sonnet 5 (2 und 10 USD) sollte am 1. September auf 3 und 15 USD steigen. Diese Erhöhung findet nicht statt, der Einführungspreis ist jetzt der reguläre Preis. Wer in einer Kalkulation noch mit 3 und 15 USD rechnet, rechnet zu teuer. Sonnet 5.5 übernimmt diesen Preis. Sonnet 5 bleibt laut Anthropic mindestens bis zum 30. Juni 2027 verfügbar.

Welches Modell wofür

Sonnet 5.5 ist die Standardantwort für Produktivlasten, auch Anthropic empfiehlt Sonnet für die meisten Produktivlasten. Es deckt Zusammenfassen, Klassifizieren, Entwürfe, Auswertungen und den größten Teil der Werkzeugnutzung ab. Wer nicht weiß, womit er anfangen soll, fängt hiermit an und misst, auch die Ausgabe-Token: Sonnet 5.5 denkt auf der Claude-Plattform standardmäßig auf der Stufe „high“, und in unserem Test wurde das Nachdenken als Ausgabe berechnet. Auf AWS Bedrock gibt es Sonnet 5.5 inzwischen auch mit EU-Profil, ein Grund, bei Sonnet 5 zu bleiben, ist das nicht mehr.

Haiku 5.5 (vorher Haiku 4.5) ist für Aufgaben, die einfach sind und in großer Zahl anfallen: Tickets einsortieren, Felder aus Formularen ziehen, kurze Klassifikationen. Ein Rechenbeispiel aus der Anbieterdokumentation: 10.000 Support-Konversationen mit im Schnitt 3.700 Token kosten mit Haiku 4.5 rund 37 USD Eingabe. Mit Haiku 5.5 sind es bei rund 30 Prozent mehr Token für denselben Text etwa 5 USD.

Opus 5.5 lohnt sich dort, wo eine falsche Antwort teurer ist als die Mehrkosten — Analysen über viele Dateien hinweg, Aufgaben mit langen Schlussketten, Code über mehrere Ebenen. Laut Anthropic bleibt es bei komplexer, offener Arbeit klar stärker als Sonnet 5.5. Das Doppelte des Sonnet-Preises ist schnell bezahlt, wenn ein Mensch sonst eine Stunde nachbessert. Opus 5 kostet das Zweieinhalbfache von Sonnet und damit mehr als Opus 5.5.

Fable 5.1 und Fable 5 sind die teuersten Modelle der Reihe. Fable 5.1 kostet dasselbe wie Fable 5, liest aber aus dem Cache für ein Viertel (0,25 statt 1 USD). Wer nicht genau sagen kann, warum er es braucht, braucht es nicht.

Die zwei Hebel, die mehr bringen als der Modellwechsel

Wer beim Preis spart, indem er ein schwächeres Modell nimmt, zahlt das oft in Nacharbeit. Zwei technische Hebel senken die Rechnung, ohne die Qualität anzufassen.

Prompt-Caching. Wiederkehrende Teile einer Anfrage — Systemanweisung, Handbuch, Produktkatalog — werden einmal geschrieben und danach billig gelesen. Ein Cache-Treffer kostet 10 Prozent des Eingabepreises, bei Opus 5.5 nur 5 Prozent und bei Fable 5.1 nur 2,5 Prozent. Das Schreiben kostet einmalig das 1,25-fache (fünf Minuten Haltbarkeit) oder das Doppelte (eine Stunde). Die Rechnung geht damit schon nach dem ersten Wiederlesen auf.

Batch-Verarbeitung. Was nicht sofort beantwortet werden muss, läuft asynchron mit 50 Prozent Rabatt auf Eingabe und Ausgabe. Nächtliche Auswertungen, Massenklassifikation, Migrationen. Beide Rabatte lassen sich kombinieren.

In der Praxis liegt zwischen einer naiven und einer sauber gebauten Integration derselben Aufgabe oft der Faktor drei bis fünf — bei identischem Modell.

Das Kontextfenster ist nicht mehr der Engpass

Claude 4.6 und neuer bringen das volle Kontextfenster von einer Million Token zum normalen Token-Preis mit. Bei Sonnet und Opus kostet eine Anfrage mit 900.000 Token pro Token dasselbe wie eine mit 9.000. Ausnahme ist Haiku 5.5: Dort kostet eine Anfrage über 100.000 Token das Fünffache. Die früher übliche Sorge, dass lange Kontexte überproportional teuer werden, ist damit weg.

Was bleibt, ist die andere Kostenfrage: Ein großes Kontextfenster verführt dazu, es zu füllen. Jede Datei, die man hineinschiebt, wird bezahlt — auch die, die zur Antwort nichts beiträgt.

Zu den „500 Skills”-Paketen

In sozialen Netzwerken werden Sammlungen von Anweisungsbausteinen für KI-Werkzeuge verkauft, gern für 39 Euro, gern mit einer dreistelligen Zahl im Titel. Die Frage, ob man so etwas braucht, kommt bei uns regelmäßig.

Unsere Antwort, unabhängig von der jeweiligen Sammlung: Der Nutzen solcher Bausteine ist umgekehrt proportional zur Fähigkeit des Modells. Sie sind entstanden, als Modelle enge Führung brauchten, um eine mehrstufige Aufgabe nicht zu verlieren. Je besser ein Modell mehrschrittige Aufgaben selbst strukturiert, desto mehr beschreiben solche Bausteine etwas, das ohnehin passiert — und desto eher schaden sie sogar, weil sie das Modell auf einen Weg festlegen, der für die konkrete Aufgabe nicht der beste ist.

Was tatsächlich trägt, ist unspektakulär und lässt sich nicht als Paket verkaufen: die eigenen Konventionen, die eigene Verzeichnisstruktur, die eigenen Do-not-Regeln aus vergangenen Fehlern. Das sind ein bis zwei Seiten, sie sind für jedes Unternehmen anders, und man schreibt sie sich selbst — oder besser: man lässt sie über die Zeit entstehen.

Zur Einordnung: Wir bauen genau so etwas als Werkzeug für die eigene Arbeit und stellen es unter OpenWolf Enhanced quelloffen bereit. Es kostet nichts, und es ist keine Sammlung von 500 Bausteinen, sondern ein Gedächtnis für die Regeln, die im jeweiligen Projekt tatsächlich gelten.

Was beim Vergleich mit anderen Anbietern zu beachten ist

Ein Preis pro Token lässt sich nicht ohne Weiteres zwischen Anbietern vergleichen, weil derselbe Text bei verschiedenen Modellen unterschiedlich viele Token ergibt. Bei Claude 4.7 und neuer sind es laut Anbieter rund 30 Prozent mehr Token für denselben Text als bei den Vorgängern. Ein um 20 Prozent niedrigerer Preis pro Token ist dann in Wahrheit ein höherer Preis pro Seite.

Wie man das sauber rechnet, steht in Warum der Preis pro Token nichts über die Kosten sagt.

Datenschutz

Zur Frage, unter welchen Bedingungen Claude für Geschäftsdaten DSGVO-konform nutzbar ist, gibt es einen eigenen Eintrag: Darf ich ChatGPT oder Claude DSGVO-konform nutzen? und Welche LLMs sind 2026 DSGVO-konform betreibbar?. Die kurze Fassung: Es ist keine Eigenschaft des Modells, sondern eine Frage von Hosting-Region, Auftrags-verarbeitungsvertrag und Trainings-Widerspruch.

Quelle der Preise: Anthropic, Pricing-Dokumentation und claude.com/pricing, abgerufen am 29.09.2026.

Dazu bei Krynex Labs

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