Gartner: 70 Prozent geben vom Anbieter gebaute KI-Agenten wieder auf. Was in Ihren Vertrag gehört, damit Ihrer bleibt
Gartner sagt voraus, dass bis 2028 rund 70 Prozent der Unternehmen agentische KI wieder aufgeben, die ein Anbieter mit eigenen Ingenieuren direkt beim Kunden gebaut hat. Die Gründe sind Kosten und Abhängigkeit, nicht die Technik. Was die Prognose genau sagt, was manche Meldung daraus gemacht hat, und welche Punkte Sie vor dem Projektstart festhalten sollten, damit Sie Ihren Agenten auch ohne den Anbieter betreiben und weiterentwickeln können.
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Am 29. September 2026 hat Gartner eine Prognose veröffentlicht, die für jeden interessant ist, der gerade einen KI-Agenten bauen lässt: Bis 2028 werden 70 Prozent der Unternehmen agentische KI wieder aufgeben, die ein Anbieter mit eigenen Ingenieuren direkt beim Kunden gebaut hat. Gartner nennt dieses Modell Forward-Deployed Engineering, kurz FDE.
Die Begründung ist bemerkenswert, weil sie nichts mit der Technik zu tun hat. Es geht um stark steigende Kosten und darum, dass die Kunden die Systeme ohne den Anbieter nicht weiterentwickeln können.
Wir haben die Aussagen von Gartner zusammengetragen und daraus abgeleitet, was vor dem Start eines Agenten-Projekts schriftlich feststehen sollte.
Offenlegung: Wir bauen selbst KI-Agenten für Kunden und sind damit genau die Art Anbieter, um die es hier geht. Gartners Pressemitteilung war für uns nicht direkt abrufbar. Wir stützen uns auf die Berichte von The Register und heise, die Gartner wörtlich zitieren. Stand 10. Oktober 2026.
Was Gartner sagt
Die Kernaussagen der Prognose:
- Bis 2028 geben 70 Prozent der Unternehmen agentische KI auf, die per Forward-Deployed Engineering eines Anbieters gebaut wurde.
- Bis 2028 überführen weniger als 20 Prozent der FDE-Projekte die wiederkehrenden Kundenwünsche in das Kernprodukt des Anbieters. Der Kunde behält also eine Einzelanfertigung, die niemand sonst pflegt.
- Viele Anbieter verwenden „forward deployed” laut Gartner inzwischen als Etikett für gewöhnliche Implementierung und Beratung. Manche nähmen Aufschläge, ohne die Liefertiefe, das Projektmanagement oder die Erfahrung im Veränderungsmanagement mitzubringen, die das rechtfertigen würde. Gartner nennt das FDE washing.
Mukul Saha, Senior Director Analyst bei Gartner, fasst es so zusammen: Der Erfolg beginne damit, die Zusammenarbeit richtig aufzusetzen, „from scope and incentives to governance, ownership, and exit”, also vom Umfang über die Anreize bis zu Governance, Eigentum und Ausstieg.
Nach heise rät Gartner außerdem, Zuständigkeiten, Rechte am geistigen Eigentum, Wissenstransfer und eine Ausstiegsstrategie schon zu Projektbeginn festzulegen. Am Ende des Projekts müsse das Team des Kunden die Lösung selbstständig betreiben und weiterentwickeln können.
Was die Prognose nicht sagt
In einigen Meldungen wurde daraus „70 Prozent der Agenten-Projekte scheitern”. Das steht so nicht drin. Gartner spricht von Unternehmen, die vom Anbieter gebaute Systeme aufgeben, und heise weist selbst darauf hin, dass sich die Prognose ausdrücklich nicht auf KI-Agenten insgesamt bezieht, sondern nur auf dieses eine Liefermodell.
Das ist mehr als Haarspalterei. Die Zahl sagt nicht, dass Agenten nicht funktionieren. Sie sagt, dass Agenten aufgegeben werden, die der Kunde nicht selbst in der Hand hat.
Warum das passiert
The Register beschreibt das Muster so: Der Anbieter liefert schnelle erste Erfolge, der Kunde baut aber keine eigenen Fähigkeiten auf, um das System nach dem Abzug des Anbieters zu betreiben. Ab dann gibt es zwei Wege. Entweder bleibt der Anbieter dauerhaft im Haus und kostet, oder der Agent bleibt so, wie er ist, während sich drumherum Prozesse, Systeme und Modelle ändern. Beides endet irgendwann mit dem Abschalten.
Bei KI-Agenten verschärft sich das, weil sich die Umgebung schneller dreht als bei klassischer Software. Modelle werden abgekündigt, Preise ändern sich, eine Schnittstelle im ERP bekommt ein neues Feld. Ein Agent, den nur der Anbieter anfassen kann, veraltet in diesem Tempo mit.
Was vor dem Projektstart feststehen sollte
Gartners Stichworte lassen sich in konkrete Fragen übersetzen. Die Antworten gehören in den Vertrag oder in die Leistungsbeschreibung, nicht in ein Gesprächsprotokoll.
Welche Rechte bekommen Sie, und woran?
Ein Agent besteht aus mehr als Code. Dazu gehören die Konfiguration, die Prompts, die Regeln, wann ein Mensch freigeben muss, und die Testfälle, mit denen geprüft wird, ob er richtig entscheidet. Lassen Sie sich schriftlich geben, welche Rechte Sie an all dem erhalten.
Achten Sie dabei auf das Wort ausschließlich. Ein nicht ausschließliches Nutzungsrecht heißt, dass Sie den Agenten unbefristet nutzen und ändern dürfen, der Anbieter aber Teile davon auch anderswo einsetzen kann. Für die meisten Betriebe reicht das. Wenn der Agent Ihr Wettbewerbsvorteil ist, sollten Sie über ein ausschließliches Recht verhandeln.
Wo läuft der Agent, und in wessen Konten?
Wenn der Agent auf dem Server des Anbieters läuft und die Modellzugänge auf dessen Namen laufen, haben Sie im Ernstfall nur eine Rechnung. Besser ist es, wenn er auf Ihrer Infrastruktur oder in Ihrem Cloud-Konto läuft und die Schlüssel für Sprachmodelle auf Ihr Unternehmen ausgestellt sind. Dann können Sie den Anbieter wechseln, ohne den Agenten neu zu bauen.
Kann Ihr Team ihn lesen?
Ein Agent, der in einem lesbaren Werkzeug wie n8n aufgebaut ist, lässt sich von einer technisch interessierten Person nachvollziehen. Ein Agent aus tausend Zeilen eigens geschriebenem Code braucht einen Entwickler. Beides kann richtig sein. Sie sollten nur vorher wissen, welches von beiden Sie bekommen und wer es später pflegt.
Was wird dokumentiert und übergeben?
Vereinbaren Sie, was am Projektende vorliegt: eine Beschreibung der Abläufe, die Liste aller angebundenen Systeme und Zugänge, die Testfälle und eine Anleitung für die häufigsten Änderungen. Dazu gehört eine Einarbeitung Ihres Teams. Gartners Maßstab ist hart, aber richtig: Am Ende muss Ihr Team den Agenten ohne den Anbieter betreiben können.
Wie kommen Sie wieder raus?
Klären Sie Kündigungsfristen für Betrieb und Wartung und was bei einer Kündigung übergeben wird. Ein Anbieter, der davon überzeugt ist, dass Sie bleiben wollen, hat mit einer Ausstiegsklausel kein Problem.
Wie wir das selbst handhaben
Weil wir selbst Agenten bauen, wäre dieser Artikel ohne einen Blick auf unsere eigenen Bedingungen unvollständig.
Nach unseren AGB erhalten Kunden an eigens für sie entwickelten Komponenten, Konfigurationen und Modellen ein zeitlich und räumlich unbeschränktes, übertragbares Nutzungsrecht. Es ist standardmäßig nicht ausschließlich. Ein ausschließliches Recht gibt es nur, wenn es ausdrücklich schriftlich vereinbart wird. Allgemeine Bibliotheken und Werkzeuge, die wir in vielen Projekten einsetzen, bleiben bei uns. Wenn Ihnen Ausschließlichkeit wichtig ist, sprechen Sie es im ersten Gespräch an.
Unsere Automatisierungen bauen wir bevorzugt in n8n auf Ihrer Infrastruktur, mit Dokumentation und Übergabe, damit Ihr Team sie bedienen und erweitern kann. Wartungsverträge sind monatlich kündbar, und die Übergabe an Ihr eigenes Team oder einen anderen Dienstleister ist Teil der Dokumentation. Einzelheiten finden Sie unter Automatisierung und Wartung und Service.
Das ist kein Versprechen, dass jedes Projekt ohne uns weiterläuft. Es ist die Grundlage dafür, dass es das kann.
Unsere Einschätzung
Die Gartner-Zahl ist eine Prognose, keine Messung. Die Begründung halten wir trotzdem für stichhaltig, denn sie zielt nicht auf die Technik. Wer einen Agenten nicht selbst ändern kann, hängt beim Weiterentwickeln am Anbieter, und jede Änderung kostet.
Wenn Sie gerade ein Angebot für einen KI-Agenten auf dem Tisch haben, legen Sie die Fragen aus diesem Artikel daneben. Fehlen die Antworten, fragen Sie nach, bevor Sie unterschreiben. Wenn Sie ein zweites Angebot zum Vergleich möchten, finden Sie unser Vorgehen unter KI-Agenten.
Quellen
- Gartner, Pressemitteilung vom 29. September 2026: Gartner Predicts 70% of Enterprises Will Abandon Agentic AI Built by Vendor Forward-Deployed Engineering by 2028
- Dan Robinson, The Register, 30. September 2026: 7 in 10 enterprises expected to abandon vendor-built agentic AI by 2028
- Moritz Förster, heise online (iX, englische Ausgabe), 1. Oktober 2026: AI agents from the vendor: Quickly built, hard to operate
Häufige Fragen
- Was genau sagt die Gartner-Prognose vom 29. September 2026?
- Gartner sagt voraus, dass bis 2028 70 Prozent der Unternehmen agentische KI aufgeben werden, die per Forward-Deployed Engineering gebaut wurde, also von Ingenieuren eines Anbieters direkt beim Kunden. Als Gründe nennt Gartner stark steigende Kosten und die Unfähigkeit, die Systeme ohne den Anbieter weiterzuentwickeln. Die Prognose betrifft ausdrücklich nicht KI-Agenten insgesamt, sondern nur dieses Liefermodell.
- Was ist Forward-Deployed Engineering?
- Ein Anbieter schickt eigene Entwickler zum Kunden, die dort eine Lösung für dessen besondere Anforderungen bauen und einführen. Der Begriff stammt aus dem Umfeld großer Softwareanbieter. Gartner warnt, dass viele Anbieter ihn inzwischen auch als Etikett für gewöhnliche Implementierungs- und Beratungsleistungen verwenden, teils mit Aufpreis.
- Scheitern 70 Prozent aller KI-Agenten-Projekte?
- Nein, das sagt die Prognose nicht. Einzelne Meldungen haben sie so verkürzt. Gartner spricht von Unternehmen, die vom Anbieter gebaute agentische KI aufgeben, und schränkt das ausdrücklich auf das Modell Forward-Deployed Engineering ein. Über Agenten, die ein Unternehmen selbst oder mit einem Partner so baut, dass es sie selbst betreiben kann, sagt die Zahl nichts.
- Welche Punkte gehören in den Vertrag für ein KI-Agenten-Projekt?
- Mindestens: welche Rechte Sie am eigens gebauten Code, an Konfiguration, Prompts und Testfällen erhalten, ob ausschließlich oder nicht, in wessen Konten und auf wessen Infrastruktur der Agent läuft, welche Dokumentation geliefert wird, wie Ihr Team eingearbeitet wird und was bei einer Kündigung übergeben wird. Gartner nennt als Erfolgsfaktoren Umfang, Anreize, Governance, Eigentum und Ausstieg.
- Wann lohnt sich ein Anbieter mit eigenen Ingenieuren beim Kunden trotzdem?
- Laut Gartner bei Problemen, die tiefes Wissen über das Produkt des Anbieters, schnelle Anpassung oder eine enge Verzahnung mit der eigenen Betriebsumgebung erfordern. Für Standardaufgaben empfiehlt Gartner, klassische Service- oder Partnermodelle zu prüfen, die oft günstiger und besser planbar sind.