Google schaltet am 17. November fünf Gemini-Sprachmodelle ab: Was Telefon- und Sprachbots jetzt brauchen
Google nimmt am 17. November 2026 fünf Vorschau-Modelle für Echtzeit-Sprache und Sprachausgabe aus der Gemini API. Eine automatische Umleitung gibt es nicht. Wir zeigen, welche Modelle betroffen sind, warum der Umstieg mehr ist als ein neuer Modellname, und warum die neue Sprachausgabe ab Januar doppelt so viel kostet.
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Wer einen Telefonassistenten, einen Sprachbot auf der Website oder eine automatische Vorlesefunktion mit Gemini betreibt, sollte in den nächsten zwei Wochen einen Blick in die eigene Konfiguration werfen. Google nimmt am 17. November 2026 fünf Sprachmodelle aus der Gemini API. Es sind Vorschau-Modelle, also solche, die nie als dauerhaft angeboten waren. In der Praxis stecken sie trotzdem in vielen Anwendungen, weil es lange keine fertigen Alternativen gab.
Das Ärgerliche daran: Bei diesen fünf Modellen gibt es keine automatische Umleitung auf die Nachfolger. Und der Umstieg ist bei der Sprachausgabe mehr als ein neuer Name in einer Konfigurationsdatei.
Welche Modelle betroffen sind
Wir haben am 2. November die offizielle Abschaltliste der Gemini API gelesen. Dort stehen für den 17. November 2026 genau diese fünf Modelle:
| Modell | Wofür | Ersatz laut Google |
|---|---|---|
gemini-3.1-flash-live-preview |
Echtzeit-Gespräche | gemini-3.8-live |
gemini-2.5-flash-native-audio-preview-12-2025 |
Echtzeit-Gespräche | gemini-3.8-live |
gemini-2.5-flash-preview-tts |
Sprachausgabe | gemini-3.8-flash-tts oder gemini-3.8-flash-lite-tts |
gemini-2.5-pro-preview-tts |
Sprachausgabe | gemini-3.8-flash-tts oder gemini-3.8-flash-lite-tts |
gemini-3.1-flash-tts-preview |
Sprachausgabe | gemini-3.8-flash-tts oder gemini-3.8-flash-lite-tts |
Die beiden oberen sind die Modelle, über die ein Bot in Echtzeit zuhört und antwortet, also das, was in einem Telefonassistenten die eigentliche Arbeit macht. Die drei unteren wandeln fertigen Text in gesprochene Sprache um, etwa für Ansagen, Vorlesefunktionen oder vertonte Videos.
Zwei Einschränkungen schreibt Google selbst dazu. Erstens sind die Daten in
der Liste die frühestmöglichen, der genaue Termin wird vorher angekündigt.
Früher als am 17. November wird also nicht abgeschaltet, ein späterer Termin
ist aber auch nicht zugesagt. Zweitens steht bei keinem der fünf Modelle ein
Hinweis auf eine Umleitung. Den gibt es auf derselben Seite nur bei einem
anderen Modell (gemini-3.7-flash), dessen Anfragen automatisch bei
gemini-3.8-flash landen. Für die Sprachmodelle heißt das: Wer den alten
Namen weiter schickt, bekommt nach der Abschaltung voraussichtlich einen
Fehler statt einer Antwort.
Wie man herausfindet, ob man betroffen ist
Bei eigener Software ist das schnell geprüft. Eine Suche nach den fünf Modellnamen im Quelltext, in Umgebungsvariablen und in den Einstellungen von Automatisierungswerkzeugen wie n8n oder Make reicht meistens. Schwieriger ist es bei eingekauften Lösungen. Viele Anbieter von Telefonassistenten nennen das Modell im Hintergrund nicht. Dort hilft nur die direkte Frage an den Anbieter, und zwar mit Termin: Was läuft bei uns am 18. November?
Wir haben die Suche auf unserem eigenen Server gemacht und dabei zwei typische Funde gehabt. Der erste war eine Preisliste in einem KI-Gateway, also der Software, die Anfragen an verschiedene Anbieter verteilt. Dort stehen die alten Sprachmodelle noch als wählbare Einträge. Das ist harmlos, solange niemand sie auswählt, zeigt aber, wie lange alte Namen in Werkzeugen stehen bleiben. Der zweite Fund war interessanter, dazu gleich mehr.
Warum der Umstieg bei der Sprachausgabe kein reiner Namenstausch ist
In einem Werkzeug, mit dem wir Videos vertonen, ist der Standard bereits auf
gemini-3.8-flash-tts umgestellt. Die alten Modelle stehen aber weiter in der
Liste der erlaubten Modelle. Interessant ist, wie viel Code an dieser
Unterscheidung hängt. Das Werkzeug behandelt die 3.8-Modelle an drei Stellen
anders als die älteren:
- Das Tonformat ist ein anderes. Die 3.8-Modelle liefern fertige WAV-Dateien. Die älteren Modelle liefern rohe Audiodaten, die das Programm selbst in eine Datei verpacken muss. Wer nur den Modellnamen tauscht und die Verarbeitung lässt, bekommt im besten Fall eine Fehlermeldung und im schlechtesten eine Datei, die rauscht oder nicht abspielt.
- Die Sprechanweisung wandert an eine andere Stelle. Bei den alten Modellen schreibt man die gewünschte Sprechweise einfach vor den Text, etwa „ruhig und freundlich vorlesen“. Bei 3.8 gibt es dafür ein eigenes Feld. Bleibt die Anweisung im Text stehen, liest das neue Modell sie im ungünstigen Fall mit vor.
- Eigene Stimmen gehen nur mit 3.8. Wer eine selbst angelegte Stimme nutzt, kann nur die neuen Modelle verwenden. Umgekehrt heißt das: Alles, was mit den alten Modellen lief, nutzt zwangsläufig eine der fertigen Standardstimmen. Die gibt es auch bei 3.8, sie klingen aber nicht zwingend gleich.
Das ist der Grund, warum wir einen solchen Wechsel nie nur in der Konfiguration machen. Nach dem Umstieg gehört eine echte Hörprobe dazu: ein paar typische Sätze, mit Zahlen, Namen und Fachbegriffen aus dem eigenen Betrieb. Bei Telefonassistenten zusätzlich ein Probeanruf, denn bei Echtzeit-Gesprächen kommt es weniger auf den Klang an als darauf, wie schnell der Bot antwortet und ob er sich unterbrechen lässt.
Was es kostet, vorher und nachher
Bei den Echtzeit-Modellen ist die Rechnung einfach. Laut der Preisliste der
Gemini API kostet gemini-3.8-live genau so viel wie
gemini-3.1-flash-live-preview: 3 US-Dollar je Million Token für
eingehendes Audio, 12 US-Dollar für ausgehendes Audio. Google nennt dazu auch
Minutenpreise, 0,005 US-Dollar je Minute zuhören und 0,018 US-Dollar je
Minute sprechen. Ein Telefonat, in dem der Bot fünf Minuten zuhört und drei
Minuten spricht, kostet also rund acht Cent für die Sprachverarbeitung,
ohne Telefonie und ohne das, was der Bot im Hintergrund nachschlägt.
Bei der Sprachausgabe ist es kniffliger. Bis zum 31. Dezember 2026 sind die neuen Modelle günstiger als die alten:
| Modell | Ausgabe je Million Token bis 31.12.2026 | ab 1.1.2027 |
|---|---|---|
gemini-2.5-flash-preview-tts (alt) |
10 US-Dollar | abgeschaltet |
gemini-2.5-pro-preview-tts (alt) |
20 US-Dollar | abgeschaltet |
gemini-3.1-flash-tts-preview (alt) |
20 US-Dollar | abgeschaltet |
gemini-3.8-flash-tts |
9 US-Dollar | 18 US-Dollar |
gemini-3.8-flash-lite-tts |
6 US-Dollar | 12 US-Dollar |
Ab Januar verdoppelt Google beide 3.8-Preise, beim Text-Eingang ebenso
(von 0,50 auf 1 US-Dollar je Million Token). Wer heute
gemini-2.5-flash-preview-tts nutzt und auf gemini-3.8-flash-tts
wechselt, zahlt also im November und Dezember etwas weniger und ab Januar
fast das Doppelte. Für eine Vorlesefunktion auf der Website ist das meist
egal, die Beträge sind klein. Für einen Betrieb, der täglich viele Ansagen
oder lange Texte vertont, lohnt sich die Probe mit der Lite-Fassung. Sie
liegt ab Januar bei 12 US-Dollar und damit ungefähr dort, wo die
günstigste alte Variante heute steht.
Ein Punkt, der im Mittelstand gern übersehen wird: Alle genannten Modelle haben auch eine kostenlose Stufe. Laut Preisliste dürfen Daten aus der kostenlosen Stufe zur Verbesserung der Google-Produkte genutzt werden. Für einen Telefonassistenten, der mit Kundinnen und Kunden spricht, kommt die kostenlose Stufe deshalb nicht infrage, auch nicht für einen schnellen Test mit echten Gesprächen.
Unser Vorschlag für die nächsten zwei Wochen
Zuerst die Bestandsaufnahme: Wo steckt einer der fünf Modellnamen, und bei welchen eingekauften Diensten wissen wir es nicht? Für jede Fundstelle dann den Ersatz in einer Testumgebung einsetzen, die Tonverarbeitung prüfen und eine Hörprobe mit echten Sätzen aus dem Betrieb machen. Bei Telefonassistenten gehört ein Probeanruf dazu, bei dem man den Bot absichtlich unterbricht und eine Rückfrage stellt.
Erst danach die Umstellung im laufenden Betrieb, mit genug Abstand zum 17. November, damit ein Fehler nicht am Abschalttag auffällt. Und gleich dazu ein Eintrag im Kalender für Anfang Januar, wenn die neuen Preise gelten: Stimmen die Kosten noch?
Das Muster kennen wir aus dem Oktober, als OpenAI GPT-4, o1 und weitere Modelle abgeschaltet hat. Wer damals eine Liste angelegt hat, welche Anwendung welches Modell nutzt, ist jetzt in einer halben Stunde fertig.
Wenn Sie einen Telefonassistenten betreiben oder planen und wissen wollen, was im Hintergrund läuft, schauen Sie sich unsere Seite zur Telefon-KI an oder sprechen Sie mit uns.
Quellen
Alle abgerufen am 02.11.2026.
- Google AI for Developers: Gemini API, Deprecations (fünf Modelle mit Abschaltdatum 17.11.2026, Ersatzmodelle, Hinweis „earliest possible dates“, Umleitung nur bei gemini-3.7-flash)
- Google AI for Developers: Gemini API, Release notes (Gemini 3.8 Live allgemein verfügbar am 15.09.2026, Gemini 3.8 Flash TTS und Flash-Lite TTS am 22.09.2026)
- Google AI for Developers: Gemini API, Pricing (Preise der alten und neuen Modelle, Preiserhöhung der 3.8-TTS-Modelle zum 01.01.2027, Datennutzung in der kostenlosen Stufe)
Stand: 2. November 2026. Sobald Google den genauen Abschalttermin ankündigt, ergänzen wir ihn hier.
Häufige Fragen
- Welche Gemini-Modelle werden am 17. November 2026 abgeschaltet?
- Laut der Abschaltliste der Gemini API fünf Vorschau-Modelle: gemini-3.1-flash-live-preview und gemini-2.5-flash-native-audio-preview-12-2025 für Echtzeit-Gespräche, dazu gemini-2.5-flash-preview-tts, gemini-2.5-pro-preview-tts und gemini-3.1-flash-tts-preview für die Sprachausgabe.
- Leitet Google Anfragen an die alten Modelle automatisch auf die neuen um?
- Für diese fünf Modelle nicht. Die Abschaltliste nennt bei ihnen keine Umleitung. Eine solche Umleitung steht dort nur bei einem anderen Modell, gemini-3.7-flash. Wer den alten Modellnamen weiter schickt, muss mit Fehlermeldungen rechnen.
- Kann die Abschaltung auch später kommen?
- Ja. Google schreibt, die Daten in der Liste seien die frühestmöglichen. Den genauen Termin kündigt Google vorher an. Darauf warten sollte man aber nicht, denn früher als am 17. November wird nicht abgeschaltet, später ist nicht zugesagt.
- Was ist der Ersatz?
- Für Echtzeit-Gespräche gemini-3.8-live, für die Sprachausgabe gemini-3.8-flash-tts oder gemini-3.8-flash-lite-tts. Alle drei sind seit September 2026 allgemein verfügbar und keine Vorschau-Modelle mehr.
- Wird der Umstieg teurer?
- Bei Echtzeit-Gesprächen nicht, gemini-3.8-live kostet laut Preisliste dasselbe wie das 3.1-Vorschau-Modell. Bei der Sprachausgabe ist 3.8 bis zum 31. Dezember 2026 etwas günstiger als die alten Modelle. Ab dem 1. Januar 2027 verdoppelt Google die Preise für beide 3.8-Sprachausgabemodelle. Gemini 3.8 Flash TTS liegt dann bei 18 US-Dollar je Million Ausgabe-Token, fast so viel wie heute die teuersten alten Modelle mit 20 US-Dollar.
- Betrifft das auch Vertex AI in der Google Cloud?
- Die Liste, auf die sich dieser Beitrag stützt, gilt für die Gemini API. Vertex AI führt eigene Modellversionen mit eigenen Abschaltdaten. Wer über Vertex anbindet, sollte die dortige Liste getrennt prüfen.
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