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#ChatGPT#OpenAI#Werbung#Datenschutz#Schatten-KI#Mittelstand

ChatGPT zeigt jetzt Werbung: Was das für Firmen heißt, deren Mitarbeiter mit Free oder Go arbeiten

Seit dem 24. August zeigt ChatGPT auch in Deutschland Anzeigen, im Oktober kommt ein neues Bildformat dazu. Betroffen sind die Tarife Free und Go, also genau die Konten, mit denen viele Mitarbeiter nebenbei arbeiten. Wir haben die Hilfeseite, die EU-Datenschutzerklärung und die Preisseiten von OpenAI im Original gelesen: wer Werbung sieht, welche Daten die Anzeige auswählen, was Werbetreibende bekommen und was ein Betrieb jetzt regeln sollte.

Annett Krusch
ChatGPT zeigt jetzt Werbung: Was das für Firmen heißt, deren Mitarbeiter mit Free oder Go arbeiten (Mit KI erzeugtes Bild) Mit KI erzeugtes Bild. Mehr zur KI-Transparenz

Ein Mitarbeiter lässt sich von ChatGPT eine Antwort an einen verärgerten Kunden formulieren. Unter der Antwort steht eine Anzeige für eine Software zur Reklamationsbearbeitung. So kann es inzwischen aussehen. Seit dem 24. August zeigt ChatGPT auch in Deutschland Werbung, und am 5. Oktober hat OpenAI ein zweites Format angekündigt: Bildanzeigen, die erscheinen, während ChatGPT ein Bild erzeugt.

Für Privatleute ist das eine Frage des Geschmacks. Für Betriebe ist es eine Frage, welche Konten im Einsatz sind. Werbung gibt es nur in den Tarifen Free und Go, und genau diese Konten nutzen viele Mitarbeiter, ohne dass jemand im Unternehmen davon weiß. Darüber haben wir in Schatten-KI: Wenn Ihre Mitarbeiter heimlich ChatGPT füttern geschrieben. Mit der Werbung kommt ein weiterer Grund dazu, das zu regeln.

Offenlegung: Wir beraten Unternehmen bei der Einführung von KI und arbeiten selbst mit Modellen von OpenAI und Anthropic. Mit OpenAI haben wir keine geschäftliche Verbindung. Alle Angaben stammen aus den Seiten von OpenAI, abgerufen am 20. Oktober 2026.

Wer Werbung sieht und wer nicht

Die Hilfeseite von OpenAI ist an dieser Stelle eindeutig: „Ads may appear for users on the Free and Go plans. Plus, Pro, Business, Enterprise, and Edu accounts will not have ads.“ Konten, die OpenAI Personen unter 18 Jahren zuordnet, sehen keine Anzeigen. Temporäre Chats bleiben ebenfalls frei.

Tarif Preis laut OpenAI Werbung Gedacht für
Free 0 € ja Einzelpersonen
Go 8 € im Monat ja Einzelpersonen
Plus 23 € im Monat nein Einzelpersonen
Pro ab 103 € im Monat nein Einzelpersonen
Business ab 21 € je Platz und Monat nein Unternehmen ab 2 Personen
Enterprise auf Anfrage nein Unternehmen

Die Zeile, die man leicht übersieht, ist Go. Wer einem Mitarbeiter ein günstiges Abo bezahlt und denkt, damit sei die Sache erledigt, hat ein bezahltes Konto mit Werbung. Auf der Preisseite steht beim Go-Tarif klein: „This plan may include ads.“

Wer kostenlos bleiben will, kann im Free-Tarif auf Werbung verzichten. Dann sinken die Nachrichtenlimits, und Werkzeuge wie die Bilderzeugung oder Deep Research fallen weg. Das steht ebenfalls auf der Hilfeseite.

Wo die Anzeigen erscheinen

Bisher erscheint eine Anzeige unter einer Antwort von ChatGPT, klar als Werbung gekennzeichnet und vom Antworttext getrennt. Das neue Bildformat zeigt mehrere Bilder desselben Werbetreibenden, während ChatGPT ein angefordertes Bild erzeugt, und verschwindet, sobald das Bild fertig ist. Dieses Format testet OpenAI laut Ankündigung vom 5. Oktober ab Ende Oktober zunächst in den USA, mit einer ersten Gruppe von Werbetreibenden.

Neben Gesprächen über Gesundheit, psychische Gesundheit und Politik zeigt OpenAI nach eigenen Angaben keine Werbung, politische Anzeigen sind grundsätzlich nicht erlaubt. OpenAI betont außerdem, dass Werbung die Antworten nicht beeinflusst: Die Anzeigen liefen auf getrennten Systemen, und Werbetreibende könnten die Antworten weder formen noch sortieren. Prüfen können wir das von außen nicht. Wir geben es so wieder, wie OpenAI es schreibt.

Welche Daten die Anzeige auswählen

Hier lohnt der genaue Blick, denn die Antwort hängt davon ab, wo man sitzt.

Grundsätzlich wählt OpenAI eine Anzeige nach dem Inhalt und der Absicht des laufenden Gesprächs, dazu nach Angaben des Werbetreibenden und, wenn die Personalisierung eingeschaltet ist, nach weiteren Signalen aus dem Konto. Zu diesen Signalen zählen laut Hilfeseite frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen sowie das bisherige Verhalten gegenüber Anzeigen.

Im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz gilt das vorerst nicht. OpenAI schreibt: „Personalized ads are not initially available in the European Economic Area (EEA) or Switzerland.“ Die EU-Datenschutzerklärung, zuletzt am 24. August 2026 geändert, also am Tag des Starts in Europa, sieht für personalisierte Werbung eine Einwilligung vor. Ohne Einwilligung zeigt ChatGPT allgemeine Anzeigen und nutzt dafür laut Erklärung den Kontext des aktuellen Chats, den Standort, die Tageszeit und den Gerätetyp. Als Rechtsgrundlage nennt OpenAI dafür das berechtigte Interesse.

Für einen Betrieb heißt das: Auch ohne Personalisierung wird der Inhalt jedes Gesprächs in einem Free- oder Go-Konto dafür ausgewertet, welche Werbung passt. Wenn ein Mitarbeiter eine Kundenbeschwerde, ein Angebot oder eine Personalfrage hineinkopiert, entscheidet dieser Text mit über die Anzeige.

Ein Punkt in der Datenschutzerklärung betrifft auch Firmen, die selbst werben. OpenAI schreibt dort, man erhalte Informationen von Werbetreibenden und anderen Datenpartnern, etwa über Käufe, die Nutzer bei diesen Werbetreibenden tätigen, und nutze sie unter anderem für relevantere Anzeigen bei Free- und Go-Nutzern. In der Ankündigung für Europa nennt OpenAI außerdem eigene Zielgruppen („custom audiences“), ein OpenAI-Pixel und eine Conversions-API. Seit dem 5. Oktober gibt es Anbindungen an Hightouch, Tealium und LiveRamp, über die Werbetreibende Daten aus ihren eigenen Systemen an ChatGPT Ads schicken.

Ein Fachblog hat am 17. Oktober berichtet, Werbetreibende könnten gehashte E-Mail-Adressen und Telefonnummern hochladen und so einzelne Nutzer im Chat wiederfinden. Eine Quelle nennt der Beitrag nicht, und auf den Seiten von OpenAI haben wir dazu nichts gefunden. Wir halten die Behauptung deshalb für unbelegt. Dass Daten von Werbetreibenden in die Auswahl einfließen dürfen, steht dagegen in der Datenschutzerklärung selbst.

Was Werbetreibende bekommen

Nach Angaben von OpenAI bekommen Werbetreibende keine Chats, keine Erinnerungen, keinen Namen, keine E-Mail-Adresse, keinen genauen Standort und keine IP-Adresse. Sie sehen zusammengefasste Zahlen wie Aufrufe und Klicks. Schreibt jemand einem Werbetreibenden über die Anzeige direkt eine Nachricht, sieht der Werbetreibende genau diese Nachricht.

Für die Werbedaten selbst gibt es in den Einstellungen unter „Ad Controls“ einen Verlauf, die Themen, nach denen Anzeigen ausgewählt wurden, und einen Knopf zum Löschen. Gelöschte Werbedaten bleiben laut OpenAI bis zu 30 Tage auf den Servern.

Das größere Problem ist nicht die Werbung

Die Anzeige unter der Antwort ist sichtbar und gekennzeichnet. Wichtiger für einen Betrieb ist, was die Werbung über das Konto verrät: Es ist ein Verbraucherkonto. In den Tarifen für Einzelpersonen, also Free, Go, Plus und Pro, darf OpenAI Inhalte für das Training seiner Modelle verwenden, solange niemand den Schalter in den Einstellungen umlegt. Einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt es für diese Tarife nicht. Beides haben wir im Vergleich Claude oder ChatGPT im Betrieb ausführlich nachgelesen.

Mit der Werbung kommt nur ein weiterer Verwendungszweck hinzu. Wer Kundendaten in ein kostenloses Konto kopiert, gibt sie nicht nur an einen Dienst ohne Vertrag, sondern auch in ein werbefinanziertes Umfeld.

Rechnerisch ist der Umstieg kein großer Schritt. Ein Standardplatz in ChatGPT Business kostet laut Preisseite 21 Euro im Monat (in US-Dollar 20 bei jährlicher, 25 bei monatlicher Zahlung) und ist damit nicht teurer als ein Plus-Konto für 23 Euro. Business ist ab zwei Personen buchbar, trainiert standardmäßig nicht mit Ihren Inhalten und ist werbefrei.

Was ein Betrieb jetzt regeln sollte

Erstens: herausfinden, welche Konten tatsächlich genutzt werden. Eine kurze, straffreie Umfrage bringt meist mehr als ein Verbot, weil Mitarbeiter dann sagen, wofür sie ChatGPT brauchen.

Zweitens: für die Arbeit mit Firmendaten ein Firmenkonto bereitstellen und schriftlich festhalten, dass Kundendaten, Personaldaten und Angebote nicht in private Konten gehören. Wer ChatGPT nicht will, findet bei anderen Anbietern ebenfalls werbefreie Firmentarife mit Vertrag.

Drittens: für alle, die privat weiter Free oder Go nutzen, drei Handgriffe zeigen. Training ausschalten unter Einstellungen und Datenkontrollen, für heikle Fragen den temporären Chat nutzen, der weder Werbung zeigt noch Erinnerungen speichert, und unter „Ad Controls“ die Personalisierung ausgeschaltet lassen, falls OpenAI sie in Europa später anbietet.

Und wenn Sie selbst in ChatGPT werben wollen

Seit dem 31. August können Firmen in den 31 europäischen Ländern Anzeigen selbst über den Ads Manager buchen. Abgerechnet wird laut OpenAI nach Aufrufen, nach Klicks oder mit Optimierung auf Abschlüsse. Wer die Abschlüsse messen will, braucht das OpenAI-Pixel oder die Conversions-API auf der eigenen Website. Ein solches Pixel liest Daten im Browser aus und braucht in Deutschland vorher eine Einwilligung nach § 25 TDDDG, genau wie Tracking-Werkzeuge von Google oder Meta. Das gehört in die Einwilligungsabfrage, bevor die erste Kampagne startet.

Ob sich das lohnt, ist offen. OpenAI nennt in seiner Ankündigung vom 5. Oktober Erfolgszahlen einzelner Marken in den USA, etwa geringere Kosten je Abschluss als bei Suchanzeigen. Diese Zahlen sind Einzelfälle, die OpenAI in der eigenen Ankündigung zitiert. Belastbare Werte für den deutschen Mittelstand gibt es noch nicht.

Was offen bleibt

Ob und wann personalisierte Anzeigen in Europa kommen, sagt OpenAI nicht. Ebenso offen ist, ob die Datenschutzaufsicht das berechtigte Interesse als Grundlage für die Auswertung des Chatinhalts für allgemeine Anzeigen akzeptiert. Für Betriebe ändert das wenig. Die Frage, welche Konten mit Firmendaten arbeiten, stellt sich mit oder ohne Werbung, und sie lässt sich in einer Woche beantworten.

Wenn Sie wissen wollen, welche KI-Konten in Ihrem Betrieb tatsächlich im Einsatz sind, und eine Regel brauchen, die Mitarbeiter auch einhalten, sprechen Sie uns an.

Quellen

Alle abgerufen am 20.10.2026.

Stand: 20. Oktober 2026. Wenn OpenAI personalisierte Anzeigen in Europa einführt oder das Bildformat hierher bringt, ergänzen wir den Beitrag.

Häufige Fragen

Welche ChatGPT-Tarife zeigen Werbung?
Laut OpenAI nur Free und Go. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben werbefrei. Konten, die OpenAI Personen unter 18 Jahren zuordnet, sehen keine Anzeigen, und in temporären Chats erscheint ebenfalls keine Werbung. Wichtig: Go ist ein bezahlter Tarif für 8 Euro im Monat und zeigt trotzdem Anzeigen.
Seit wann gibt es Werbung in ChatGPT in Deutschland?
OpenAI hat den Test am 9. Februar 2026 in den USA begonnen und am 18. August 2026 die Ausweitung auf 31 europäische Länder angekündigt, darunter Deutschland und Österreich. Die Anzeigen starten dort ab dem 24. August. Seit dem 31. August können Firmen in diesen Ländern Anzeigen selbst über den Ads Manager buchen.
Liest der Werbetreibende meine Chats mit?
Nach Angaben von OpenAI nicht. Werbetreibende bekommen nur zusammengefasste Zahlen wie Aufrufe und Klicks, keine Chats, keine Erinnerungen, keinen Namen und keine E-Mail-Adresse. Welche Anzeige erscheint, entscheidet aber OpenAI anhand des laufenden Chats. Der Inhalt eines Gesprächs wird also für die Werbung ausgewertet, nur eben bei OpenAI und nicht beim Werbetreibenden.
Werden Anzeigen in Deutschland personalisiert?
Vorerst nicht. OpenAI schreibt, personalisierte Anzeigen seien im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz zunächst nicht verfügbar. Die EU-Datenschutzerklärung vom 24. August 2026 sieht dafür eine Einwilligung vor. Ohne sie zeigt ChatGPT allgemeine Anzeigen, ausgewählt nach dem aktuellen Chat, dem ungefähren Standort, der Tageszeit und dem Gerät.
Welcher ChatGPT-Tarif ist für ein Unternehmen richtig?
Für die Arbeit mit Firmen- oder Kundendaten ChatGPT Business oder Enterprise. Beide sind werbefrei, trainieren standardmäßig nicht mit Ihren Inhalten, und OpenAI schließt dafür einen Auftragsverarbeitungsvertrag ab. Business kostet laut Preisseite ab 21 Euro je Platz und Monat und ist ab zwei Personen buchbar. Free, Go und Plus sind nach OpenAIs eigenen Worten für Einzelpersonen gedacht.

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