Llama 4 im eigenen Haus: Warum Unternehmen mit Sitz in der EU die Lizenz nicht bekommen
Viele Ratgeber empfehlen Llama 4 für den Betrieb auf eigener Hardware. Die Nutzungsrichtlinie von Meta gewährt Unternehmen mit Hauptsitz in der EU aber die Rechte an den multimodalen Llama-4-Modellen nicht, und Scout und Maverick sind multimodal. Wir zitieren die Klausel, sagen, was sie bedeutet und was offen ist, und zeigen, welche offenen Modelle stattdessen in Frage kommen.
Die kurze Antwort zuerst. Wer als Unternehmen mit Hauptsitz in der EU Llama 4 Scout oder Maverick auf eigener Hardware betreiben will, bekommt dafür nach dem Wortlaut von Metas Nutzungsrichtlinie keine Rechte. Die Richtlinie nimmt die multimodalen Llama-4-Modelle für EU-Unternehmen ausdrücklich aus, und beide Modelle sind multimodal. Wer Llama 4 nur als Nutzer eines fremden Produkts verwendet, ist nicht betroffen.
Das ist für den Mittelstand wichtiger, als es klingt. Llama 4 Scout gilt in vielen deutschen Ratgebern als das offene Modell für den Eigenbetrieb, weil es laut Meta auf eine einzige H100-Grafikkarte passt. Auch wir haben es bis zum 30. September in unseren Wissensseiten so empfohlen und das korrigiert.
Alle Zitate unten haben wir am 30. September 2026 an den Seiten von Meta nachgelesen. Das ist keine Rechtsberatung. Wir beschreiben, was dort steht, und sagen, wo es offen ist.
Was die Klausel wörtlich sagt
Die Stelle steht nicht in der Lizenz selbst, sondern in der Nutzungsrichtlinie von Llama 4 (Acceptable Use Policy), auf die die Lizenz verweist:
„With respect to any multimodal models included in Llama 4, the rights granted under Section 1(a) of the Llama 4 Community License Agreement are not being granted to you if you are an individual domiciled in, or a company with a principal place of business in, the European Union. This restriction does not apply to end users of a product or service that incorporates any such multimodal models.”
Abschnitt 1(a) der Lizenz ist die Stelle, an der Meta überhaupt erst Rechte einräumt: das Recht, die Llama-Materialien zu nutzen, zu vervielfältigen, weiterzugeben, zu kopieren, Ableitungen daraus zu erstellen und sie zu verändern. Ohne diese Rechte fehlt nach dem Lizenztext die Grundlage dafür, das Modell herunterzuladen und zu betreiben.
Dass Scout und Maverick unter „multimodal models“ fallen, sagt Meta selbst. Bei der Vorstellung im April 2025 nannte Meta sie „the first open-weight natively multimodal models“. Beide verarbeiten Text und Bilder.
Wen es betrifft und wen nicht
Betroffen sind Unternehmen mit Hauptsitz in der EU und Personen mit Wohnsitz in der EU, die das Modell selbst nutzen wollen. Also genau der typische Fall: Ein Mittelständler lädt Scout herunter, betreibt es mit vLLM auf einem eigenen Server und baut darauf einen internen Assistenten oder eine Dokumentensuche.
Nicht betroffen sind laut dem letzten Satz der Klausel Endnutzer eines Produkts oder Dienstes, in das ein solches Modell eingebaut ist. Wer also ein Werkzeug eines Anbieters außerhalb der EU nutzt, das intern auf Llama 4 läuft, braucht dafür selbst keine Rechte an Llama 4.
Offen sind mehrere Fälle, zu denen Meta nichts sagt:
- Ob eine reine Textnutzung etwas ändert. Der Wortlaut knüpft am Modell an, nicht an der Nutzung. Ein Modell wird nicht dadurch zum Textmodell, dass man ihm keine Bilder schickt.
- Wie es mit Llama 4 über einen Cloud-Anbieter aussieht, also als Dienst, den jemand anderes betreibt. Das könnte unter die Ausnahme für Endnutzer fallen. Eine Aussage von Meta dazu haben wir nicht gefunden.
- Was für die deutsche Tochter eines Konzerns mit Sitz außerhalb der EU gilt. Die Klausel stellt auf den Hauptsitz des Unternehmens ab.
Wer in einem dieser Fälle steckt oder Llama 4 schon einsetzt, sollte das rechtlich prüfen lassen, bevor er weiter darauf aufbaut.
Was sonst in der Lizenz steht
Zwei weitere Punkte der Llama-4-Lizenz sind für Betriebe relevant. Wer Llama nutzt, muss „Built with Llama“ gut sichtbar auf einer zugehörigen Website, Oberfläche oder in der Produktdokumentation angeben. Und Vertragspartner für Unternehmen im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz ist Meta Platforms Ireland Limited.
Die oft genannte Grenze von 700 Millionen monatlich aktiven Nutzern, ab der man eine gesonderte Lizenz braucht, spielt für den Mittelstand keine Rolle.
Ein neueres Llama gibt es nicht
Seit Scout und Maverick im April 2025 hat Meta kein neues Llama-Sprachmodell veröffentlicht. Neue Modelle erscheinen seit April 2026 unter dem Namen Muse, und zwar auf zwei Wegen.
Muse Spark ist geschlossen. Es läuft nur über Metas eigene Schnittstelle, das Programmierwerkzeug Muse Code und die Meta-AI-App, aktuell in Version 1.3 vom 2. September 2026. Die Standardstufe kostet laut Meta 1,25 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 4,25 US-Dollar je Million Ausgabe-Token. Eine EU-Region, eine Aussage zur Datenresidenz oder einen Auftragsverarbeitungsvertrag haben wir in der Dokumentation nicht gefunden. Offene Gewichte für Muse Spark hat Meta angekündigt, ohne Datum.
Muse Glimmer-30B ist das Gegenstück mit offenen Gewichten, veröffentlicht am 10. August 2026 unter der Apache-Lizenz 2.0. Diese Lizenz enthält keine Einschränkung für die EU. Glimmer hat rund 30 Milliarden Parameter, versteht Text und Bilder und hat standardmäßig 128.000 Token Kontext. Meta schreibt, es sei „small enough to run on a Mac or PC with a single consumer GPU“. In einer 4-Bit-Fassung braucht es laut Modellkarte 24 bis 32 GB Grafikspeicher, in voller Genauigkeit 64 GB. Über Metas Schnittstelle gibt es Glimmer nicht, man lädt die Gewichte herunter und betreibt sie selbst.
Welche offenen Modelle stattdessen in Frage kommen
Für den Eigenbetrieb gibt es genug Alternativen mit Lizenzen, die EU-Firmen nicht ausschließen. Alle Angaben laut Hersteller:
| Modell | Lizenz | Größe | Hardware laut Hersteller |
|---|---|---|---|
| Muse Glimmer-30B (Meta) | Apache 2.0 | ~30 B, dicht | 24–32 GB (4 Bit) |
| Qwen3.8-27B (Alibaba) | Apache 2.0 | 27 B, dicht | keine Angabe |
| Mistral Small 4 | Apache 2.0 | 119 B, 6,5 B aktiv | ab 4× HGX H100 |
| Mistral Large 3 | Apache 2.0 | 675 B, 41 B aktiv | Knoten mit 8× H100 |
| Mistral Medium 3.5 | geänderte MIT-Lizenz | 128 B, dicht | „as few as four GPUs“ |
| DeepSeek V4.1-Flash | MIT | 552 B, 8–16 B aktiv | keine Angabe |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Wer ein Modell auf einer einzelnen Workstation betreiben will, landet heute bei der Größe um 30 Milliarden Parameter, also bei Glimmer oder Qwen3.8-27B. Die großen Modelle brauchen Rechenzentrums-Hardware. Zweitens: Auch unter den Alternativen lohnt der Blick in die Lizenz. Mistral Medium 3.5 steht unter einer geänderten MIT-Lizenz, die nicht gilt, wenn der Konzern im Vormonat mehr als 20 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht hat.
Bei Qwen und DeepSeek kommt die Frage nach der Herkunft dazu. Solange die Gewichte auf eigener Hardware laufen, verlassen keine Daten das Haus. Die Cloud-Dienste dieser Anbieter sind eine andere Sache. DeepSeek schreibt in seiner Datenschutzerklärung selbst, dass es in der Volksrepublik China speichert. Mehr dazu im Eintrag Welche LLMs sind 2026 DSGVO-konform betreibbar?
Was Sie jetzt tun sollten
Wer Llama 4 noch plant, sollte umplanen. Für einen Assistenten auf einer Workstation ist Muse Glimmer-30B der naheliegende Ersatz, schon weil es vom selben Hersteller kommt und ähnlich betrieben wird. Ob es Ihre Aufgaben so gut löst wie Scout, zeigt ein Vergleich mit 20 bis 50 echten Beispielen aus Ihrem Betrieb.
Wer Llama 4 schon betreibt, sollte zuerst klären, ob einer der offenen Fälle oben auf ihn zutrifft, und das rechtlich prüfen lassen. Parallel lohnt es, den Umstieg vorzubereiten. Wenn die Anwendung sauber gebaut ist, ist der Modellname ein Eintrag in der Konfiguration und kein Umbau. Wie man das anlegt, steht im Eintrag Vendor-Lock-in vermeiden.
Wann sich der Eigenbetrieb überhaupt rechnet und welche Hardware dafür nötig ist, beschreiben wir unter On-Premise vs. Cloud-LLM.
Häufige Fragen
- Dürfen Unternehmen in der EU Llama 4 selbst betreiben?
- Nach dem Wortlaut der Nutzungsrichtlinie von Meta nicht, soweit es um die multimodalen Llama-4-Modelle geht. Die Rechte aus Abschnitt 1(a) der Lizenz, also Nutzen, Vervielfältigen, Weitergeben und Bearbeiten, werden Unternehmen mit Hauptsitz in der EU nicht gewährt. Llama 4 Scout und Maverick sind laut Meta nativ multimodal. Das ist keine Rechtsberatung; im Einzelfall sollte das eine Anwältin oder ein Anwalt prüfen.
- Gilt die Einschränkung auch, wenn wir Llama 4 nur für Text nutzen?
- Das sagt Meta nicht. Der Wortlaut knüpft an das Modell an („multimodal models included in Llama 4“) und nicht an die Art der Nutzung. Ob eine reine Textnutzung etwas ändert, ist offen.
- Wir nutzen ein Produkt, in dem Llama 4 steckt. Sind wir betroffen?
- Nach der Richtlinie nicht. Die Einschränkung gilt ausdrücklich nicht für Endnutzer eines Produkts oder Dienstes, in das ein solches Modell eingebaut ist. Betroffen ist, wer das Modell selbst betreibt, bearbeitet oder in ein eigenes Produkt einbaut.
- Welche offenen Modelle kommen stattdessen in Frage?
- Zum Beispiel Muse Glimmer-30B von Meta selbst (Apache 2.0, seit August 2026), Qwen3.8-27B von Alibaba (Apache 2.0), Mistral Small 4 und Mistral Large 3 (Apache 2.0) oder DeepSeek V4.1-Flash (MIT). Bei Mistral Medium 3.5 gilt eine Umsatzgrenze von 20 Millionen US-Dollar im Monat.
- Gibt es ein neueres Llama als Llama 4?
- Nein. Die jüngsten Llama-Sprachmodelle sind Scout und Maverick vom April 2025. Meta veröffentlicht neue Modelle seit April 2026 unter dem Namen Muse: Muse Spark ist geschlossen und nur per Schnittstelle erreichbar, Muse Glimmer-30B hat offene Gewichte.