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Ubuntu 26.10 und Myna: Diktieren mit lokaler KI, was Betriebe vor dem Einschalten wissen sollten

Ubuntu 26.10 „Stonking Stingray“ ist am 15. Oktober 2026 erschienen. Mit dabei ist Myna, eine Diktierfunktion, die Sprache auf dem eigenen Rechner in Text umwandelt. Sie ist eine Vorschau und muss eigens eingerichtet werden, mit Ubuntu 28.04 LTS soll sie fest dazugehören. Wir erklären, welche Modelle Myna nutzt, ob Deutsch geht, was Admins auf Firmen-PCs beachten müssen, für wen sich die Zwischenversion mit neun Monaten Support lohnt und was die neue Anmeldung mit Microsoft Entra ID bringt.

Annett Krusch
Ubuntu 26.10 und Myna: Diktieren mit lokaler KI, was Betriebe vor dem Einschalten wissen sollten (Mit KI erzeugtes Bild) Mit KI erzeugtes Bild. Mehr zur KI-Transparenz

Ubuntu 26.10 mit dem Namen „Stonking Stingray“ ist am 15. Oktober 2026 erschienen. Für Betriebe mit Linux-Arbeitsplätzen stecken zwei Neuerungen darin, die über das übliche Versions-Update hinausgehen. Die erste heißt Myna: eine Diktierfunktion, die gesprochene Sprache auf dem eigenen Rechner in Text umwandelt, ohne Cloud. Die zweite ist die Anmeldung am Rechner mit Microsoft Entra ID, inklusive Mehrfaktor-Prüfung und passwortlos.

Gleich vorweg: Myna haben wir nicht selbst ausprobiert. Unser Server ist ein Produktivsystem ohne Ubuntu-Desktop, dort installieren wir keine Vorschau-Software. Alles hier stammt aus den Ankündigungen von Canonical, den Release Notes und der Dokumentation im öffentlichen Myna-Repository auf GitHub, Stand 16. Oktober 2026. Gemessen haben wir im September ein Modell, das Myna ebenfalls nutzen kann: Whisper auf dem eigenen Server, gemessen ohne Grafikkarte.

Was Myna ist

Canonical beschreibt Myna als „speech-to-text agent“ auf Basis lokaler Modelle. Die Bedienung ist schlicht. Man setzt den Cursor in ein Textfeld, drückt das eingestellte Tastenkürzel und spricht, der Text landet in der Anwendung, die gerade den Fokus hat. Das funktioniert im Mailprogramm genauso wie im Ticketsystem im Browser.

Wichtig ist, was Myna nicht ist. Canonical schreibt ausdrücklich, Myna sei kein Sprachassistent und steuere den Desktop nicht per Sprachbefehl. Übersetzen gehört ebenfalls nicht zum Umfang, und die Sprache wird im ersten Wurf nicht automatisch erkannt. Myna diktiert, mehr nicht.

Der Status ist eine Technologievorschau. Canonical rechnet selbst mit „rough edges“, also mit Ecken und Kanten. Im Repository steht der Hinweis, dass es vor einer stabilen Version noch größere, inkompatible Änderungen geben wird.

Welche Modelle laufen, und geht Deutsch?

Myna ist nur die Bedienoberfläche. Die eigentliche Erkennung übernimmt ein Modell, das als eigenes, streng abgeschottetes Snap-Paket auf dem Rechner liegt. Canonical nennt drei Familien:

  • Parakeet, genauer NVIDIAs Parakeet TDT 0.6B v3. Die Modellkarte auf Hugging Face listet 25 Sprachen, Deutsch ist dabei. Lizenz ist CC-BY-4.0, gewerbliche Nutzung erlaubt.
  • Whisper von OpenAI. Laut Repository bietet Myna auf dem Prozessor die Größen tiny, base und small an, mit NVIDIA-Grafikkarte zusätzlich large-v3 und large-v3-turbo.
  • FunASR, ausgeliefert als SenseVoice-Small. Laut Entwicklerdokumentation deckt diese Fassung nur Chinesisch, Kantonesisch, Japanisch, Koreanisch und Englisch ab. Für deutsche Betriebe spielt sie keine Rolle.

Laut Dokumentation wählt der Einrichtungsassistent das Modell nach der Sprache des Benutzerkontos aus. Grundlage ist eine Tabelle veröffentlichter Fehlerraten je Sprache und Modellfamilie. Wie gut das auf Deutsch in einem echten Büro funktioniert, mit Fachbegriffen, Dialekt und Kollegen im Hintergrund, kann heute niemand seriös sagen. Canonical bittet ausdrücklich um Tests in der eigenen Muttersprache.

Bei Whisper lohnt ein Blick in unsere Messung, bevor man sich auf eine Modellgröße festlegt. Dort steht, warum die großen Modelle mit Standardeinstellungen in Stille Text erfinden können und welche Einstellung das abstellt.

Was Myna an Hardware braucht

Laut Ankündigung läuft Myna auf amd64-Rechnern mit GNOME unter Wayland. Eine Grafikkarte ist nicht nötig. Mit einer unterstützten NVIDIA-Karte nutzt Myna eine beschleunigte Variante, laut Repository ab Treiber 580 und ab der Turing-Generation. Andere Beschleuniger sind angekündigt, aber noch nicht dabei. Für Parakeet auf dem Prozessor nennt die Dokumentation rund 812 MB Speicherplatz für Paket und Modell.

Mindestwerte für Arbeitsspeicher oder Prozessor nennt Canonical nicht. Wir schreiben hier deshalb auch keine hin.

Was lokal heißt

Die Kernaussage von Canonical: „Speech recognition runs entirely on your machine.“ Nach dem Herunterladen des Modells sei keine Internetverbindung mehr nötig, Audio werde weder hochgeladen noch gespeichert. In der ersten Vorstellung im Juni stand zusätzlich, das Mikrofon werde nur geöffnet, wenn man das Diktat ausdrücklich startet, und Audio werde im Arbeitsspeicher verarbeitet und danach verworfen.

Die Entwicklerdokumentation zeigt, wie das technisch abgesichert ist. Das Mikrofon gehört allein dem Diktier-Paket. Die Modell-Pakete bekommen laut Dokumentation weder Mikrofon- noch Netzwerkzugriff, sie erhalten die Audiodaten nur über einen lokalen Socket. Das Diktier-Paket selbst hat ebenfalls keine Netzwerkfreigabe. Das ist ein sauberer Aufbau, den man mit snap connections auf jedem Rechner selbst nachprüfen kann.

Worauf Admins bei Firmen-PCs achten sollten

Opt-in heißt hier wirklich Opt-in. Myna ist in 26.10 nicht vorinstalliert. Wer es will, fügt das PPA ppa:canonical-desktop-team/myna hinzu und installiert myna-config. Die Einrichtung danach verlangt laut Dokumentation einmal eine Administrator-Anmeldung über polkit. Ein Mitarbeiter ohne Admin-Rechte kann Myna also nicht selbst einrichten.

Die Vorschau zieht Vorschau-Pakete. Der Assistent installiert die Snaps laut Dokumentation aus dem Kanal edge und schaltet in snapd die experimentelle Option für Benutzerdienste ein. Beides gehört nicht auf einen Rechner, der im Tagesgeschäft stabil laufen muss. Für einen Testplatz in der IT ist es in Ordnung.

Myna startet für jeden Benutzer. Einmal installiert, läuft der Diktierdienst als Benutzerdienst und startet bei jeder Anmeldung jedes Benutzers mit. Auf geteilten Rechnern, etwa an der Werkbank oder im Lager, sollte man das wissen.

Abschalten heißt entfernen. Einen zentralen Schalter für Administratoren beschreibt Canonical in keiner der Ankündigungen und auch nicht in den Release Notes. Wer Myna loswerden will, entfernt die Pakete. Laut Repository legt snap remove die persönlichen Einstellungen in einen automatischen Snapshot, snap remove --purge löscht sie. Ob Ubuntu 28.04 LTS, wenn Myna dort standardmäßig dabei sein soll, eine zentrale Steuerung mitbringt, ist offen. Für die Verteilung auf mehrere Rechner heißt das heute: Myna gehört nur dorthin, wo es jemand ausdrücklich braucht, und die Paketverwaltung entscheidet darüber.

Interne Regeln anpassen. Ein Diktierwerkzeug auf dem Firmen-PC ist ein KI-Werkzeug wie jedes andere. Es gehört in die KI-Richtlinie für Mitarbeiter, auch wenn es lokal läuft. Sonst entsteht genau die Schatten-KI, die man eigentlich vermeiden will.

Datenschutz: lokal oder Cloud

Sprache ist ein Datum über einen Menschen, und oft sagt jemand beim Diktieren Namen, Kundennummern oder Gesundheitsangaben. Bei einem Cloud-Dienst geht die Aufnahme an den Anbieter. Dann braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung und eine Prüfung, wo die Daten landen. Was in so einen Vertrag gehört, haben wir im Beitrag zum AVV mit KI-Anbietern aufgeschrieben.

Läuft die Erkennung wie bei Myna auf dem Rechner, entfällt dieser Teil. Die Aufnahme verlässt das Gerät nicht. Die Datenschutz-Pflichten verschwinden deshalb nicht. Der diktierte Text liegt danach in Mail, Ticket oder Dokument und unterliegt dort denselben Regeln wie getippter Text. Wer Gespräche mit Dritten mitschreiben will, statt nur selbst zu diktieren, muss außerdem klären, ob die Beteiligten informiert sind. Myna ist für das eigene Diktat gebaut, nicht für Besprechungsprotokolle.

Ein Rest an Vertrauen bleibt: Dass nichts nach außen geht, sagt Canonical, und die Paketrechte stützen das. Eine eigene Prüfung des Netzwerkverkehrs ersetzt das nicht, gerade bei einer Vorschau. Mehr zum grundsätzlichen Vorgehen bei KI auf eigener Hardware steht auf unserer Seite zu On-Premise-KI im Mittelstand.

26.10 oder bei 26.04 LTS bleiben?

Ubuntu 26.10 ist eine Zwischenversion. Laut Release Notes wird sie neun Monate unterstützt, bis Juli 2027. Ubuntu 26.04 LTS bekommt fünf Jahre Standard-Sicherheitswartung, mit Ubuntu Pro deutlich länger.

Für Myna braucht niemand 26.10. Die Vorschau ist laut Canonical auch für 24.04 LTS und 26.04 LTS verfügbar. Dasselbe gilt für die Entra-Anmeldung. Wer Firmen-PCs betreibt, bleibt also bei der LTS-Version und probiert beides dort auf einem Testrechner aus.

26.10 lohnt sich für Rechner, die neue Hardware brauchen. Sie bringt Linux 7.3 und GNOME 51, Canonical nennt unter anderem Unterstützung für Intel Nova Lake und AMD Zen 6. Wer das einsetzt, muss im Sommer 2027 auf die nächste Version wechseln. Ein Hinweis aus den Release Notes für alle, die umsteigen wollen: Rechner mit TPM-gestützter Festplattenverschlüsselung können zum Erscheinen nicht von 26.04 LTS auf 26.10 aktualisieren. Das soll im Laufe der Unterstützungszeit nachgeliefert werden.

Anmeldung mit Microsoft Entra ID

Betriebe mit Microsoft 365 kennen Entra ID als zentrales Benutzerverzeichnis. Ubuntu konnte sich über den Dienst authd schon vorher dagegen anmelden, aber umständlich: Der Anmeldebildschirm zeigte einen Code, und die Anmeldung wurde auf dem Handy oder einem zweiten Rechner im Browser abgeschlossen.

Mit authd 0.7.0 und dem Entra-ID-Broker 0.5.0 geht das jetzt direkt. Man gibt das Entra-Passwort am Anmeldebildschirm ein und erledigt die Mehrfaktor-Prüfung im selben Schritt, per Freigabe in Microsoft Authenticator oder per Einmalcode. Passwortlos funktioniert es mit Temporary Access Pass, Microsoft Authenticator und FIDO2-Sicherheitsschlüssel, je nachdem, was im Konto freigeschaltet ist. Die Anmeldung gilt laut Canonical für die grafische Anmeldung, für polkit, für das Terminal und für SSH.

Zwei Einschränkungen nennt Canonical selbst. Die Pakete kommen vorerst aus einem PPA, die Übernahme ins reguläre Archiv wird vorbereitet. Und der neue Ablauf muss in der authd-Konfiguration eigens eingeschaltet werden. Für Betriebe, die Linux bisher wegen der getrennten Benutzerverwaltung gemieden haben, ist das trotzdem der interessantere Teil dieser Version.

Unsere Einschätzung

Myna ist der erste Versuch eines großen Linux-Anbieters, Diktat mit lokaler KI fest ins System zu holen. Der Aufbau mit getrennten, abgeschotteten Paketen ist durchdacht, und dass Deutsch über Parakeet und Whisper abgedeckt ist, macht es für deutsche Betriebe überhaupt erst interessant. Für den Alltag auf Firmen-PCs ist es zu früh. Die Pakete kommen aus dem Vorschau-Kanal, und eine zentrale Steuerung für Admins fehlt. Ein Testrechner in der IT ist der richtige Ort. Wer Spracherkennung heute schon für ganze Abläufe braucht, etwa Aufnahmen nachträglich verschriftlichen, fährt mit einem selbst betriebenen Modell auf dem eigenen Server besser. Wie das mit Whisper aussieht, steht in unserer Messung.

Quellen

Häufige Fragen

Gibt es in Ubuntu eine Spracherkennung auf Deutsch?
Ja, mit Myna. Das ist eine Diktierfunktion von Canonical, die seit Oktober 2026 als Technologievorschau für Ubuntu 24.04 LTS, 26.04 LTS und 26.10 bereitsteht. Myna kann unter anderem das Modell Parakeet TDT 0.6B v3 von NVIDIA nutzen, das laut Modellkarte 25 Sprachen beherrscht, darunter Deutsch, und alternativ Whisper. Die Erkennung läuft auf dem eigenen Rechner. Selbst getestet haben wir Myna nicht.
Ist Myna in Ubuntu 26.10 automatisch aktiv?
Nein. Canonical nennt Myna in 26.10 eine Opt-in-Funktion, laut Release Notes ist sie nicht vorinstalliert. Wer sie nutzen will, fügt ein PPA hinzu, installiert das Paket myna-config und richtet Myna über die Einstellungen ein. Erst mit dem Weg zu Ubuntu 28.04 LTS soll Myna standardmäßig enthalten sein.
Wie schalte ich die KI in Ubuntu 26.10 ab?
In 26.10 gibt es nichts abzuschalten, solange niemand Myna installiert hat. Wer Myna wieder loswerden will, entfernt die Pakete. Laut der Entwicklerdokumentation im Repository legt snap remove die Einstellungen in einen automatischen Snapshot, snap remove --purge löscht sie. Einen zentralen Schalter für Administratoren beschreibt Canonical in seinen Ankündigungen nicht.
Schickt Myna meine Sprache in die Cloud?
Laut Canonical nicht. In der Ankündigung heißt es, die Erkennung laufe vollständig auf dem Rechner, nach dem Herunterladen des Modells sei keine Internetverbindung nötig, und Audio werde weder hochgeladen noch gespeichert. Die Modell-Snaps haben laut Entwicklerdokumentation weder Mikrofon- noch Netzwerkzugriff.
Wie lange wird Ubuntu 26.10 unterstützt?
Neun Monate, bis Juli 2027. So steht es in den Release Notes. Ubuntu 26.04 LTS bekommt dagegen fünf Jahre Standard-Sicherheitswartung, mit Ubuntu Pro länger.
Kann ich mich an Ubuntu mit Microsoft Entra ID und MFA anmelden?
Ja. Mit authd 0.7.0 und dem Entra-ID-Broker 0.5.0 gibt man am Anmeldebildschirm das Entra-Passwort ein und bestätigt die geforderte Mehrfaktor-Prüfung direkt dort. Passwortlos geht es mit Temporary Access Pass, Microsoft Authenticator oder FIDO2-Schlüssel. Laut Canonical gilt das für 26.10, 26.04 LTS und 24.04 LTS, die Pakete kommen vorerst aus einem PPA.

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